Geringe Distanzen

Gudrun Marx-Frühstück, Dreifachmama und „Nähfee“

 

„Klagenfurt ist genial. Du bist in wenigen Stunden am Meer, in wenigen Minuten am See und binnen einer halben Stunde irgendwo am Berg. In der Freizeit kann man hier eigentlich alles machen. Auch das Kulturangebot ist für mich persönlich völlig ausreichend“, bringt es die Klagenfurter „Nähfee“ Gudrun Marx-Frühstück auf den Punkt. Die 39-Jährige liebt ihre Heimat, in der sie mit Ehemann Florian, ihren drei Kindern Elisabeth, Leonard und Peter, einem Hund und zwei Katzen lebt.

Vor zwei Jahren hatte die Kärntnerin einen folgenschweren Unfall und sitzt seither im Rollstuhl. Die Geschichte der lebensfrohen Dreifachmama ist – und tut es nach wie vor – vielen Menschen unter die Haut gegangen. Auf ihrer Facebook-Seite ließ sie bereits wenige Wochen nach ihrem Schicksalsschlag andere an ihrem alten, neuen Leben ohne funktionierende Beine teilhaben. Nahezu täglich schrieb sie über ihre Gefühle, Erfolge, Niederlagen, über die guten und die schlechten Tage – Tausende lasen, lebten und fühlten mit der Kärntnerin, die bis 2016 einzigartige Taschen und Accessoires für ihr Lable „marx-frühstück näht!“ in aufwändiger Handarbeit mit viel Liebe zum Detail fertigte. „Meine Taschen sind alles Unikate“, sagt Marx-Frühstück, die in jedes Teil viel Liebe und Leidenschaft steckte. Doch seit der Wende in ihrem Leben steht die Nähmaschine still. Aber das soll sich bald wieder ändern: „Ich weiß zwar noch nicht wann und wo, aber ich werde meine Werkstatt ganz sicher wieder aufleben lassen.“ Beruflich hat sich die frühere Werbetexterin und   Marketingassistentin neu orientiert und arbeite seit einigen Monaten im Maierhofer CaRe Center „Das ist genau das, was ich tun möchte. Hier bin ich bestens aufgehoben“, schwärmt sie.

Mit ihrer positiven Einstellung hat die 39-Jährige buchstäblich eine Welle der Hilfsbereitschaft und des Zusammenhaltes ins Rollen gebracht. Fremde Leute wurden auf ihre Geschichte aufmerksam, sprachen ihr Mut zu, unterstützten sie, es wurden Benefiz-Konzerte für die fünfköpfige Familie organisiert. Nach einem guten Jahr machte die Klagenfurterin allerdings mit Facebook Schluss und entschied sich ihre Erlebnisse, Gedanken und Gefühle in dem Blog plaudertasche.blog niederzuschreiben. „Dieses neue Terrain sollte mir und meinen Geschichten mehr Schutz bieten. Und lesen soll nur, wer es wirklich will, wem es am Herzen liegt und wichtig ist“, erklärt sie.

Kraftort

Derzeit dreht sich Marx-Frühstücks Leben neben ihrer Familie auch viel um den neuen Job und das künftige neue, ebenerdige und barrierefreie Heim der Familie, das gerade am Ulrichsberg gebaut wird. Dort, wohin viele Klagenfurter pendeln und Sonne tanken, wenn der Nebel wieder einmal eine Decke über die Landeshauptstadt breitet. Für die 39-Jährige ist der Ulrichsberg nicht nur ein Kraftort, sondern in erster Linie ein Neuanfang, ein ebenerdiger und barrierefreier, um genau zu sein. Dort war sie auch genau ein ein Jahr nach ihrem Unfall, der ihr Leben verändert hat. Schon im Krankenhaus sagte sie, dass sie sich ein selbstständiges Leben im Rollstuhl führen werde und bei einem Marathon antreten wolle. Und das hat sie gemacht, kurz vor ihrem Jahrestag feierte sie ihren ersten Gipfelsieg am Magdalensberg – mit ihrem Rolli schaffte sie es von der Ausgrabungsstätte weg ganz nach oben. „Das war wohl der längste Kilometer meines Lebens“, sagt Marx-Frühstück, die ein wenig später am Wings-of-Life-Run in Laibach am Start war.

Schicksalsschläge und Geschichten wie diese machen einem einmal mehr bewusst, dass „das Leben kein Sonntagsverdauungshatscherl im lauen Sommerabendlicht ist“, wie Marx-Frühstück zu schreiben pflegt.

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Gudrun Marx-Frühstück
Dreifachmama und „Nähfee“