Mein irdisches Paradies

Seppi Ess, Kunstschaffender, Komödie 9020

 

Überlebenskünstler und Tausendsassa: Der Klagenfurter Schauspieler Seppi Ess hat in seinem Leben schon so einige Jobs gemacht: Vom Gerichtsschreiber, Wetterwart, Versicherungsmakler über Packerlausträger, Kellner, Regisseur, Schauspieler und Theaterleiter – nichts war dem heute 65-Jährigen zu schwer. Richtig daheim war er aber stets bei der Schauspielerei, wobei er, wie er sagt, nur „zufällig“ auf der Bühne gelandet ist. „Eigentlich war es nie meine Absicht, Schauspieler zu werden. Das ist irgendwie passiert“, schmunzelt der Klagenfurter, der Ende der 70er-Jahre mit Maximilian Achatz und Heinrich Baumgartner die Laienspielgruppe „Klagenfurter Ensemble“ gründete, um „einfach Theater zu spielen“. Das sprach sich schnell herum. Es dauerte nicht lange, da klopfte auch schon die Studiobühne Villach an und bat die Klagenfurter um ein Gastspiel. „Das war damals die Bühne schlechthin“, erzählt Ess, der sich im Laufe seines Lebens zahlreiche Rollen auf zahlreichen Bühnen spielen durfte: Von Weitensfeld über Eberndorf und Bad Kleinkirchheim bis hin zu den Komödienspielen Porcia.

Mit Claudia Wirnsberger

In den 80ern führte ihn sein Weg zum Stadttheater Klagenfurt, wo er zunächst in Udo Jürgens Stück „Helden, Helden“ einen russischen Offizier mimte, bis in damalige Intendant zu seinem persönlichen Assistenten beförderte: „Zehn Jahre habe ich an der Seite von Herbert Wochinz gearbeitet. Das war die schönste Zeit meines Lebens.“ Nachdem Wochinz in Pension ging, hörte Ess beim Stadttheater auf und versuchte sich als Paketzusteller, Tankwart und Lagerist. Ein Herzinfarkt zwang den Tausendsassa kürzer zu treten, der wohl verdiente Ruhestand folgte.

Von Klagenfurt weggehen, stand für den fünffachen Papa und mehrfachen Opa nie zur Diskussion. Nicht einmal für eine Sekunde. „Wozu? Hier bin ich geboren, hier lebe und bleibe ich. Klagenfurt ist für mich mein irdisches Paradies!“ Drei Tage Caorle sei ihm schon zu viel des Guten. „Ich wurde einmal gefragt, ob ich mit nach Costa Rica auf Urlaub fahren will. Ich habe natürlich nein gesagt. Was soll ich denn bitte dort tun? Die schöne Landschaft kann ich mir in TV-Dokus auch ansehen“, erzählt Ess, der lieber in seinem „Revier“ bleibt. Im Sommer zieht es ihn bereits um sechs Uhr in der Früh zum Wörthersee, dann zurück in die Stadt, wo er durch die Fußgängerzone flaniert. „Man trifft immer einen Bekannten zum Quatschen.“ Der tägliche Besuch des Benediktinermarktes gehört ebenso dazu, wie ein Plausch beim Künstlerstammtisch im Café Sever oder beim Pensionistentreff im Café Fresco.

Der Schauspielerei hat er nie den Rücken gekehrt, auch nie die Freude daran verloren. Sein Geheimrezept: „Ich musste nie spielen, sondern habe das rein aus der Gaude heraus gemacht“, verrät Ess, der unter anderem auch Ensembles wie die Kleine Komödie mitgeprägt hat. Inzwischen ist der Pensionist seit einigen Jahren fixer Bestandteil des Theatervereins „Komödie 9020“ und hat das Publikum bei Stücken wie „Otello darf nicht platzen“, „Jacques hat gesagt“ oder „Cash“ zum Lachen gebracht. „Einmal im Monat bin ich noch im Lustgarten, wo wir das Programm ,heiter beim Lustig‘ zeigen“, erzählt der leidenschaftliche Karl May-Fan.

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Seppi Ess
Kunstschaffender, Komödie 9020