Klein, aber fein

Martina Karulle, Inhaberin der „Kunststätte Fashion“

Statt ständig über Leerstände und niedrige Kundenfrequenz zu jammern, krempelt Martina Karulle lieber die Ärmel hoch und versucht etwas dagegen zu unternehmen. Zum Beispiel denkt sie sich ungewöhnliche Aktionen auf, um aufzufallen und den Leuten zu zeigen, was sich alles in der Klagenfurter Bahnhofstraße tut. Zuletzt hatte die Chefin der Kunststätte Fashion die Idee, die Auslagen der Geschäfte in der Bahnhofstraße mit lebendigen Schaufensterpuppen zum Leben zu erwecken. „Das hat nicht nur viel Spaß gemacht, sondern war ein Erfolg. Die Leute haben gewinkt, gelacht, sind stehen geblieben und haben neugierig ins Geschäft geschaut. Noch Wochen danach wurde darüber geredet“, erzählt die junge Geschäftsfrau, die auch schon mal einen Catwalk mit ihren Petticoatkleidern mitten durch die Stadt auf die Beine gestellt hat.

Mein Lebensmittelpunkt

Mit dem Konzept-Store „Kunststätte“, der im oberen Stock aus einem Tattoo-Studio und im Erdgeschoß aus dem Fashion-Shop besteht, hat sich die 32-Jährige vor über fünf Jahren einen Kindheitstraum erfüllt. „Schon früher habe ich es geliebt, durch die Bahnhofstraße zu schlendern und die Auslagen zu bewundern. Damals habe ich mir immer vorgestellt, wie es wohl wäre, einen Laden in Klagenfurt zu eröffnen“, erinnert sich die Bezirksvorsitzende der Jungen Wirtschaft zurück, die 2012 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Die Kärntnerin habe sich für ihr Vorhaben bewusst die Bahnhofstraße ausgesucht. „Für mich ist es nur logisch gewesen, genau in hier meinen Shop zu eröffnen, eben um wieder mehr Frequenz in die Bahnhofstraße zu bringen.“ Naheliegend, dass Karulles größter Wunsch es ist, jene Straßen wieder zu beleben, die viele noch aus ihrer Kindheit kennen. „Die Leute sollen wieder mit Freude durch die Straßen flanieren und kleine Geschäfte aufsuchen, die einen speziellen Service bieten. Klagenfurt hat das Potenzial, man muss es eben nur erkennen und nutzen.“

Karulle kann sich noch gut an die regelmäßigen Stadtgalerie-Besuche mit ihrer Oma erinnern, im Anschluss ging es dann in den Theaterpark direkt zum Trinkwasserbrunnen. „Es war einfach mein Ritual, jedes Mal aus dem Brunnen zu trinken. Auch wenn mir die bärtige Nymphe auf dem Brunnen nie ganz geheuer war.“ Enten und Tiere schauen im Europapark gehörten genauso zu den Ritualen, wie im Fischlpark die Vögel zu füttern. Und auch der Benediktinermarkt ist damals wie heute für die Jungunternehmerin ein Platz, an dem sie sich wohlfühlt. „Mit meinem Papa war ich jeden Samstag am Markt. Ich weiß noch genau, wie es in der Halle gerochen hat, als wir unsere Bratwurst gegessen und frisch gepressten Saft getrunken haben. Jedes Mal musst er mir danach die Geschichte vom Steinernen Fischer erzählen, der ja mitten am Marktplatz steht. Er war übrigens sehr geduldig, der Papa“, lacht die 32-Jährige. Heute trifft sie sich dort mit Freunden, trinkt ihren Saft und kauft frisches Gemüse ein. „Das Faszinierende ist, dass sich auch die Marktmenschen nicht verändert haben. Es sind immer noch die gleichen da, wie in meiner Kindheit“, lächelt sie.

Immer wieder werde sie gefragt, warum sie mit ihrer Kunststätte, die unter anderem Petticoatkleider im Stil der 50er-Jahre verkauft und vermietet, nicht nach Graz oder Wien geht, sondern hier in Klagenfurt bleibt. „Ja klar, habe ich in größeren Städten ein anderes und größeres Publikum und wahrscheinlich auch mehr Frequenz. Aber auch viel mehr Konkurrenz als hier. Klagenfurt ist klein, aber fein. Warum also sollte ich gehen? Ich habe hier meine Familie, meine Freunde, meinen Lebensmittelpunkt. Das würde ich um kein Geld der Welt aufgeben.“ Sie ist überzeugt: „Wenn jeder geht, was bleibt dann? Schließlich sind es die Menschen in einer Stadt, die sie zu etwas Besonderem macht.“

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Martina Karulle
Inhaberin der „Kunststätte Fashion“