Morle Eis Steinerne Brücke

Thomas und Tom Truppe, Morle-Eismeister

Kaum ein Klagenfurter Radfahrer kommt im Sommer am Eis-Salon „Morle“ bei der Steinernen Brücke vorbei. Schon als Kind war für viele der Stopp beim „Morle“ der perfekte Abschluss eines perfekten Badetages. Seit 1974 verwöhnt der Klagenfurter „Eismeister“ Thomas Truppe die Gaumen der Kärntner mit seinem selbstgemachten Eis. Als geschäftstüchtiger Eisproduzent wusste er früh, dass er sich gegen seine Konkurrenz nur durchsetzen konnte, wenn er etwas anbietet, das sonst keiner hat. „In der Nacht ist mir die Idee gekommen, dass auf das Eis noch eine hauchdünne Schokoladenschicht muss. Gerade so viel, dass man sie herunterknabbern kann, aber nicht zu viel, sodass man vom Eis nichts mehr schmeckt“, erzählt der heute 68-Jährige. Daraufhin tüftelte der Eiskonditor so lange, bis der Schokoüberguss „Morle“ perfekt war. Die Rechnung ging auf: Die Kunden sind noch heute heiß auf Truppes Eis. Inzwischen hat der legendäre Schokoüberguss zahlreiche Nachahmer gefunden, „Morle“ darf ihn aber nur einer nennen: Truppe. „Ich habe den Namen markenrechtlich schützen lassen“, sagt der Eiskugelstapelweltmeister und zweifache Großvater.

Als Truppe den Eissalon bei der geschichtsträchtigen Steinernen Brücke Mitte der 70er-Jahre eröffnete, konnte er noch nicht wissen, dass dort einmal Klagenfurt wichtigster Radweg verlaufen wird. „Ich hatte mit dem Standort einfach Glück, an mir müssen heute alle Radler und Fußgänger, die vom See in die Stadt wollen, wohl oder übel vorbei“, lacht der Klagenfurter, der sich noch gut an seine Anfänge erinnern kann. „Damals habe ich einen Schilling für eine Kugel Eis verlangt. Da ich meist kein Wechselgeld hatte, habe ich den Kunden das Eis geschenkt. Das hat sich schnell herumgesprochen und führte zu vielen Wiederholungstäter, die heute noch kommen. Und ihre Kinder, und deren Kinder. Der Morle und die Steinerne Brücke haben sich den vergangenen Jahrzehnten zu einem Generationentreff etabliert“, erzählt Truppe.

In einer Zeit ohne Handys traf man sich automatisch bei der Steinernen Brücke, wo nicht nur Eis geschleckt wurde, sondern so manche Liebesgeschichte ihren Anfang fand. „Ich habe so viele erste Küsse gesehen. Viele haben sich verliebt, manche geheiratet und ein paar sind sogar heute noch zusammen“, weiß der langjährige „Stadtrichter“ und Bühnenmensch. Die Steinerne Brücke entwickelte sich schnell zu dem Open-Air-Treffpunkt schlechthin, wo man feierte, tanzte, musizierte und sich verabredete. Truppe servierte mit seiner Frau Hermine zum Eis einen lockeren Schmäh und griff auch gerne zum Mikro, um einen Elvis-Song nach dem anderen zum Besten zu geben: „Das ist meine Leidenschaft, dafür brenne ich!“

Nicht nur die Leidenschaft zur Musik hat er seinem Sohn Tom vererbt, auch den Sinn fürs Geschäft. 2010 ist der 37-Jährige bei seinem Vater eingestiegen und schreibt die Erfolgsgeschichte der Eismanufaktur am Lendkanal gemeinsam mit seinem Vater weiter. Den Betrieb kennt er seit seiner Kindheit in- und auswendig: „Bei uns stand die Firma schon immer im Mittelpunkt. Meine Schwester Michaela und ich sind hier, an der Steinernen Brücke, sozusagen groß geworden. Bereits als Dreijähriger habe ich das Eis in den Morle getaucht, mit 14 mein erstes Catering auf der Lorelei ausgerichtet“, erzählt der DJ.

Jubiläums-Eis kreiert

Auch heute noch ist der „Morle“ für seine ausgefallenen Sorten bekannt. Neben den Klassikern Vanille, Schoko und Zitrone reihen sich auch Mohn- oder Milchreis-Eis. Ab März auch das eigens für das 500-Jahr-Jubiläum kreierte Sorbet, das Teil des „Klagenfurt Menü“ ist. Die Eis-Pioniere haben sich dafür etwas Neues einfallen lassen, wie sie verraten: „Wir starten mit der Sorte Holunder-Ribisel. Wenn die Zeit vorbei ist, folgt wahrscheinlich Apfel-Kürbis. Man darf sich aber überraschen lassen“, grinsen die beiden verschwörerisch.

In den letzten 44 Jahren haben die Truppes mehr als 100 verschiedene Sorten kreiert. „40 davon sind immer im Programm“, sagt Tom Truppe, der in Klagenfurt und Italien studiert hat. Beinahe wäre er dort geblieben, doch der Wunsch, in den Betrieb des Vaters einzusteigen war größer. „Vor allem verbinde ich mit Klagenfurt so viel Gutes. Hier am Lendkanal hat mir mein Papa das Radfahren beigebracht, in der Sattnitz das Schwimmen. Solche Momente, und viele mehr, binden und verbinden einen mit der Stadt.“ Die Zeit im Ausland habe er in vollen Zügen genossen. „Den Klagenfurtern selbst täte es gut, den Blick über den Tellerrand zu wagen und sich ein wenig zu öffnen.“

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Thomas und Tom Truppe
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