Wunderschön und provinziell

Helmut Zechner, Geschäftsführer Buchhandlung Heyn

Nicht nur die Landeshauptstadt hat 2018 einen Grund zum Feiern: Auch die Buchhandlung Heyn in der Kramergasse, die es mittlerweile seit 150 Jahren gibt. „Bevor der Rainerhof am Dr.-Arthur-Lemisch-Platz gebaut wurde, war die Buchhandlung noch gegenüber in dem Haus untergebracht, in dem heute die Nordsee  ist“, erzählt Helmut Zechner, der den „Heyn“ in fünfter Generation führt. „Und ich bin der erste in der Familie, der das aus freien Stücken macht. Potenzielle Buchhändler meiner Familie sind frühzeitig gestorben, alle anderen mussten umsatteln, weil der Vater oder Opa es so wollte“, erzählt der 48-Jährige, der sich heute noch über die Bequemlichkeit seines Ururgroßvaters freut.

„Mein Ururgroßvater hatte damals darauf bestanden, dass über der Buchhandlung seine Wohnung haben kann. Dafür schlug er sogar die damals bessere Lage direkt beim Neuen Platz aus, wo lange Zeit die Buchhandlung Worsch gewesen war“, erzählt Zechner. Dass die Kramergasse 1961 zur Fußgängerzone erklärt wurde, konnte sein Vorfahre natürlich nicht wissen. „Das war ein echter Glücksgriff, eine bessere Lage könnte ich mir heute nicht wünschen“, schmunzelt Zechner, der einen Teil seiner Kindheit und Jugend in Wien verbracht hat. An Klagenfurt hat er glückliche Kindheitserinnerungen. „Ich weiß noch, dass ich die Stadt immer sehr sauber und ruhig, im positiven Sinne, in Erinnerung hatte. Auch an eine schöne, inzwischen abgerissene Bushaltestelle am See kann ich mich noch erinnern, dort hat es immer großartiges Eis gegeben.“

In der Kramergasse

In Wien räumte er auch mit dem Klischee auf, dass jeder Kärntner Eishockey- und Fußballspielen kann. „Nach meinem ersten Volksschuljahr zogen wir nach Wien. Damals freuten sich die Kinder über einen Kärntner als Neuling, der ja bestimmt super Fußballspielen kann. Was ich aber schnell lernen musste: Ich bin ein absolutes Ballsport-Antitalent“, lacht „Mr. Heyn“. So kam es, dass der junge Zechner vom Stürmer, zum Mittelfeldspieler, zum Verteidiger bis hin zur Ersatzbankl-Hucker verdonnert worden ist. „Ich war völlig untauglich! Das gleiche passierte mir, als ich mit 12 wieder zurück nach Kärnten kam. Allerdings beim Eishockey. Schließlich hatte ich nie die Möglichkeit, in Kärnten richtig Eislaufen zu lernen.“ Das hat der Kärntner inzwischen nachgeholt,  für ein paar kamote Runden am Eis reicht sein Können, meint er. Mit 17 ging es wieder zurück nach Wien, mit 27 Jahren und einem vollen Rucksack an Erfahrungen entschied er sich für eine letzte Rückkehr nach Klagenfurt, wo er inzwischen mit seiner Frau – einer gebürtigen Oberkärntnerin – lebt.

Während Zechner, seinerzeit leidenschaftlicher Schlagzeuger, in seinen jüngeren Jahren das Partyleben in der Bundeshauptstadt in vollen Zügen genießen konnte, ist er heute froh darüber, in der „wunderschönen, provinziellen“ Lindwurmstadt zu leben. „Trotz ihrer Kleinheit bietet die Stadt eine enorme Lebensqualität, die ich als Endvierziger enorm schätze. Klagenfurt ist einfach eine Stadt zum Wohlfühlen. Wo sonst kann man in der Mittagspause mit dem Radl schnell zum See fahren, hineinspringen und der Lend entlang zurückfahren. Oder ist im Winter mit dem Auto in 25 Minuten auf der Gerlitzen, um dort ein paar Runden auf der Piste Ski zu fahren?“, meint der Buchhändler, der insbesondere die Nähe zum Meer schätzt: „Eineinhalb Stunden Autofahrt und man ist am Meer.“

Wenn Zechner nicht gerade in seiner Buchhandlung ist, dann findet man ihn ab und an im „raj“ in der Badgasse oder im legendären „Theatercafé“ bei der Vroni. „Außerdem bin ich oft und gerne am Benediktinermarkt, wo ich entweder bei der Kochwerkstatt oder beim Rudi Mittagesse.“ Auch eingekauft wird am Markt, denn der Kärntner ist ein leidenschaftlicher Koch. Für seine Stadt wünscht er sich zum 500. Geburtstag, dass sie aus der Geschichte lernt und nicht wieder die gleichen Fehler macht. „Gewisse Räder muss man nicht immer neu erfinden.“

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Helmut Zechner
Geschäftsführer Buchhandlung Heyn